Clinton, Obama und McCain kämpfen nun nicht mehr nur um Wählerstimmen - ihre eigene Integrität steht auf dem Spiel. Vor allem der schwarze Senator muss um seine Zukunft bangen.

Alle drei amerikanischen Präsidentschaftskandidaten haben im Augenblick ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Demokratin Hillary Clinton hat sich als Märchenerzählerin entpuppt und mehrere Monate lang den Wählern lebhaft erzählt, wie sie, mutig, mutig, 1996 unter Heckenschützen-Feuer im Bosnienkrieg landen und in Deckung gehen musste. Videoaufnahmen und Augenzeugen berichten dagegen, dass damals allenfalls Freudenraketen gezündet wurden.

Der Republikaner John McCain genießt den zweifelhaften Beistand eines evangelikalen Pastors, der den Katholizismus als "große Hure" beschimpft und den Hurrikan Katrina zur gerechten Gottesstrafe für das sündige New Orleans erklärt.
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Der Demokrat Barack Obama hat 20 Jahre lang einem schwarzen Hassprediger zugehört und dessen Freundschaft gesucht. Für Reverend Jeremiah Wright ist der Aids-Virus eine Erfindung der US-Regierung, um die Schwarzen auszurotten, und hat Amerika die Terroranschläge vom 11. September verdient.

Alle drei Kandidaten haben sich inzwischen entschuldigt oder distanziert. "Sorry", sagt Hillary Clinton, sie habe sich da wohl ein wenig missverständlich ausgedrückt, aber irren sei menschlich. "Ich bin stolz auf Pastor Hagee," sagte John McCain, "aber ich stimme nicht mit ihm überein." Und Barack Obama sagt: "Wäre Reverend Wright inwzischen nicht pensioniert, würde ich seiner Kirche wohl nicht mehr angehören."

Am deutlichsten hat sich Barack Obama erklärt, er hat sogar eine große und bedeutende Rede über Rassismus und Religion gehalten. Aber er besitzt auch das größte Glaubwürdigkeitsproblem. Clinton hat ein wenig geflunkert, McCain einen dubiosen Rechten in seiner Nähe geduldet, doch Obama hat zwei Jahrzehnte stillschweigend den Ungeheuerlichkeiten eines Pastors gelauscht. Mehr noch, Reverend Wright hat ihn sogar getraut und seine beiden Töchter getauft.